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Der VAR im DFB-Pokal ist ein Sonderfall im deutschen Fußball. Während die Bundesliga den Video-Assistenten in jedem Spiel einsetzt, kommt er im Pokal erst ab dem Achtelfinale zum Einsatz. Diese Einschränkung ist nicht willkürlich, sondern hat logistische und finanzielle Gründe — und sie erzeugt ein Zwei-Klassen-System, das regelmäßig für Diskussionen sorgt.
In den ersten beiden Runden des DFB-Pokals entscheiden die Schiedsrichter allein, ohne technische Unterstützung. Das bedeutet: Fehlentscheidungen in den frühen Runden können nicht korrigiert werden — ein Umstand, der in einem K.-o.-Wettbewerb, in dem ein einzelnes Spiel über das Weiterkommen entscheidet, besonders schwer wiegt. In diesem Beitrag erklären wir, ab wann der VAR greift, wie die Technik funktioniert und welche Szenen der Saison 2025/26 für Aufsehen sorgten.
Ab welcher Runde gibt es den VAR?
Die DFB-Durchführungsbestimmungen legen fest: Der VAR kommt im DFB-Pokal ab dem Achtelfinale zum Einsatz. In der 1. Runde und der 2. Runde gibt es keinen Video-Assistenten. Die Begründung des DFB ist primär logistischer Natur: In der 1. Runde finden 32 Spiele gleichzeitig statt, viele davon in kleinen Amateurstadien ohne die notwendige Kamerainfrastruktur. Die technischen Voraussetzungen für den VAR — mindestens acht Kameras, eine stabile Datenleitung nach Köln, geschultes Personal — können in diesen Stadien nicht garantiert werden.
Ab dem Achtelfinale, wenn nur noch acht Spiele gleichzeitig stattfinden und das Teilnehmerfeld überwiegend aus Profiklubs mit entsprechender Stadioninfrastruktur besteht, ist der logistische Aufwand beherrschbar. Der DFB hat die Grenze bewusst beim Achtelfinale gezogen — nicht beim Viertelfinale, obwohl dort nur noch vier Spiele stattfinden, und nicht bei der 2. Runde, obwohl dort die Infrastruktur in vielen Stadien bereits ausreichen würde.
Diese Entscheidung hat eine sportliche Konsequenz: Strittige Szenen in den frühen Runden werden endgültig vom Schiedsrichter auf dem Platz bewertet. Ein nicht gegebener Elfmeter, eine übersehene Abseitsposition, ein zu Unrecht verweigerter Treffer — all das kann das Aus eines Vereins bedeuten, ohne dass eine Korrektur möglich wäre. Für Amateurvereine, die gegen Bundesligisten antreten, ist das ein Nachteil, der sich nicht wegdiskutieren lässt.
Der DFB hat den VAR-Einsatz im Frauenpokal bisher nicht eingeführt — ein weiterer Unterschied, der im Kontext des erstmals eigenständigen Tenderverfahrens für die Medienrechte des Frauenpokals bemerkenswert ist. Die Investition in VAR-Technologie ist kostspielig, und die Frage, ob sie auch im Frauenwettbewerb angemessen wäre, wird in den kommenden Jahren an Relevanz gewinnen.
Technik: So arbeitet der VAR
Der Video-Assistent im DFB-Pokal arbeitet nach dem gleichen Prinzip wie in der Bundesliga. Die Zentrale befindet sich im sogenannten Kölner Keller — dem Video Assist Center des DFB in Köln. Von dort aus verfolgen VAR-Schiedsrichter jedes Spiel über mehrere Kamerawinkel und greifen ein, wenn sie eine klare Fehlentscheidung identifizieren.
Die Kommunikation zwischen dem Schiedsrichter auf dem Platz und dem VAR in Köln läuft über Funk. Der VAR kann den Spielleiter auf eine potenziell fehlerhafte Entscheidung aufmerksam machen, aber die finale Entscheidung liegt immer beim Schiedsrichter. Dieser kann sich die Szene am Spielfeldrand auf einem Monitor ansehen — das sogenannte On-Field-Review — oder die Empfehlung des VAR direkt übernehmen.
Technisch basiert das System auf einem Netzwerk von mindestens acht Kameras pro Stadion, die hochauflösende Bilder in Echtzeit nach Köln übertragen. Für die kalibrierten Abseitsentscheidungen werden zusätzliche Kameras und Software eingesetzt, die die Position der Spieler millimetergenau berechnen. Die gesamte Infrastruktur muss vor jedem Spiel kalibriert und getestet werden — ein Prozess, der mehrere Stunden dauert und spezialisiertes Personal erfordert.
Der VAR greift in vier klar definierten Kategorien ein: Tore und die Frage, ob der Spielaufbau regelkonform war; Elfmeterentscheidungen und -nichtentscheidungen; direkte Rote Karten; und Spielerverwechslungen bei Disziplinarmaßnahmen. Außerhalb dieser Kategorien hat der VAR kein Eingriffsrecht. Die Schwelle liegt hoch: Nur bei klaren und offensichtlichen Fehlern — sogenannten Clear and Obvious Errors — darf der VAR aktiv werden.
Strittige Szenen 2025/26
Die Saison 2025/26 lieferte im Achtelfinale und Viertelfinale mehrere VAR-Eingriffe, die öffentlich diskutiert wurden. In mindestens zwei Spielen wurde ein zunächst gegebener Elfmeter nach VAR-Überprüfung zurückgenommen — Entscheidungen, die den Spielverlauf fundamental veränderten und die unterlegene Mannschaft in ihrer Reaktion wenig diplomatisch waren.
Besonders kontrovers war eine Abseitsüberprüfung im Achtelfinale, bei der ein Tor nach minutenlanger Analyse zurückgenommen wurde. Die Wartezeit zwischen der Toranzeige und der endgültigen Entscheidung betrug über drei Minuten — eine Zeitspanne, die für Spieler und Zuschauer gleichermaßen zermürbend ist. Die Diskussion über die Dauer der VAR-Überprüfungen ist im Pokal besonders intensiv, weil die emotionale Fallhöhe in einem K.-o.-Spiel höher ist als in der Liga.
Im Viertelfinale hingegen bestätigte der VAR mehrere Entscheidungen des Schiedsrichters, ohne dass ein Eingriff notwendig war. Diese unsichtbare Arbeit des VAR — das Überprüfen und Bestätigen korrekter Entscheidungen — wird in der öffentlichen Debatte oft übersehen. Der VAR funktioniert dann am besten, wenn man ihn nicht bemerkt. Wenn nach einem Spiel niemand über den Video-Assistenten spricht, hat er seinen Job gemacht.
Für die Saison 2025/26 lässt sich bis zum Halbfinale bilanzieren: Der VAR hat in den Runden ab dem Achtelfinale mehr richtige Entscheidungen bestätigt als falsche korrigiert — ein Verhältnis, das für die Qualität der Schiedsrichter spricht und den VAR als Sicherheitsnetz rechtfertigt, nicht als allgegenwärtiges Korrektiv. Die Diskussion über den VAR im Pokal wird dennoch weitergehen, weil jede einzelne strittige Szene in einem K.-o.-Spiel das Potenzial hat, eine ganze Saison zu definieren.
Vergleich: VAR in Bundesliga vs. DFB-Pokal
Der wesentliche Unterschied zwischen dem VAR in der Bundesliga und im DFB-Pokal liegt nicht in der Technik oder den Regeln, sondern in der Einsatzreichweite. In der Bundesliga wird der VAR in jedem Spiel eingesetzt — 306-mal pro Saison. Im DFB-Pokal kommt er in maximal 15 Spielen zum Einsatz: acht im Achtelfinale, vier im Viertelfinale, zwei im Halbfinale und eines im Finale.
Diese Diskrepanz hat Konsequenzen für die Spielkultur. In der Bundesliga haben sich Spieler und Trainer an den VAR gewöhnt — Torerfolge werden routinemäßig mit einem Blick zur Seitenlinie quittiert, bevor gefeiert wird. Im DFB-Pokal gibt es diese Gewöhnung nur in den späteren Runden. In der 1. und 2. Runde zählt ein Tor sofort, und ein Elfmeter, der nicht gegeben wird, bleibt nicht gegeben. Dieser Bruch in der Spielerfahrung ist gewöhnungsbedürftig — besonders für Bundesliga-Profis, die den VAR als Sicherheitsnetz kennen und im Pokal plötzlich ohne ihn auskommen müssen.
Die Frage, ob der DFB den VAR auch in den früheren Pokalrunden einführen sollte, wird regelmäßig diskutiert. Die technologische Entwicklung — etwa der Einsatz von Semi-Automated Offside Technology — könnte den logistischen Aufwand in Zukunft reduzieren. Ob der DFB diesen Schritt geht, hängt von den Kosten, der Infrastruktur in den Amateurstadien und dem politischen Willen ab, den VAR flächendeckend einzusetzen.