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Die DFB-Pokal-Saison 2024/25 wird als eine der denkwürdigsten in die Geschichte des Wettbewerbs eingehen. Am Ende hob der VfB Stuttgart den goldenen Pokal in den Berliner Abendhimmel — nach einem packenden Finale, das mit 4:2 gegen Arminia Bielefeld endete. Doch das Ergebnis allein erzählt nur die halbe Geschichte. Es war eine Saison voller Überraschungen, Rekorde und historischer Premieren: Ein Drittligist im Finale, eine Trainerin an der Seitenlinie eines DFB-Pokal-Spiels, Rekordwerte bei der Stadionbesuchzahl und eine Ticketnachfrage, die alle bisherigen Dimensionen sprengte.
Dieser Rückblick fasst die Ergebnisse aller Runden zusammen, beleuchtet das Finale im Detail und würdigt die Geschichten, die den DFB-Pokal 2024/25 so besonders gemacht haben — von Bielefelds sensationellem Weg bis nach Berlin bis hin zu Sabrina Wittmanns historischem Auftritt für den FC Ingolstadt.
Ergebnisse aller Runden
1. Runde (August 2024)
Die erste Runde des DFB-Pokals 2024/25 setzte gleich zum Auftakt ein Ausrufezeichen in Sachen Zuschauerinteresse. Mit 472 406 Besuchern auf den 32 Spielen wurde ein neuer Rekord für die Erstrundenbesucherzahl aufgestellt — ein eindrucksvolles Zeugnis für die Anziehungskraft des Wettbewerbs, noch bevor die entscheidenden Runden überhaupt erreicht waren. Die David-gegen-Goliath-Duelle lockten die Fans in Scharen in die kleinen Stadien der Amateurvereine.
Sportlich lieferte die erste Runde die gewohnte Mischung aus Favoritensiegen und Überraschungen. Mehrere Bundesligisten hatten deutlich mehr Mühe als erwartet, und mindestens zwei Erstligisten schieden bereits in der Auftaktrunde aus — eine Konstante, die seit 2003 in jeder Pokalsaison auftritt. Arminia Bielefeld, als Drittligist gesetzt, begann seinen bemerkenswerten Pokalweg mit einem souveränen Sieg und gab einen ersten Hinweis darauf, dass mit dem Team aus Ostwestfalen in diesem Wettbewerb zu rechnen sein würde.
Ein historischer Moment abseits der Ergebnisse: Sabrina Wittmann führte den FC Ingolstadt 04 als erste Frau in der Rolle des Cheftrainers in ein DFB-Pokal-Spiel. Die Partie gegen den 1. FC Kaiserslautern endete zwar mit einer 1:2-Niederlage, doch der symbolische Wert dieses Auftritts reichte weit über das sportliche Resultat hinaus.
2. Runde (Oktober/November 2024)
Die zweite Runde übertraf die erste sogar noch an Zuschauerresonanz: 523 103 Besucher verfolgten die 16 Partien, was einem Schnitt von rund 32 694 Zuschauern pro Spiel entsprach. Die großen Stadien füllten sich, und die verbleibenden Außenseiter genossen die Aufmerksamkeit, die der Pokal ihnen bescherte. Bielefeld setzte seinen Lauf fort und meisterte auch diese Hürde — das Selbstvertrauen wuchs mit jedem überstandenen Spiel.
Die Zweitrundenspiele brachten zudem einige taktisch anspruchsvolle Begegnungen hervor. Die Bundesligisten nahmen den Wettbewerb nun sichtlich ernster, rotierten weniger und setzten auf ihre stärksten Formationen. Für die verbliebenen Underdogs bedeutete dies, dass sie neben kämpferischen Tugenden auch taktische Disziplin benötigten, um bestehen zu können.
Achtelfinale (Dezember 2024 / Januar 2025)
Im Achtelfinale erreichte der Wettbewerb die nächste Intensitätsstufe. Der Zuschauerschnitt stieg auf 35 755 pro Partie, und fünf der acht Stadien waren restlos ausverkauft. Die verbliebenen 16 Mannschaften wussten, dass das Viertelfinale nur noch drei Siege vom Finale in Berlin entfernt war — entsprechend hart wurden die Duelle geführt. Bielefeld, mittlerweile als ernstzunehmender Pokal-Außenseiter etabliert, überstand auch das Achtelfinale und sorgte damit für das erste ernsthafte Staunen unter den neutralen Beobachtern.
Viertelfinale und Halbfinale (Februar/März 2025)
Das Viertelfinale und Halbfinale verdichteten den Wettbewerb auf die letzten verbliebenen Anwärter. Der VfB Stuttgart präsentierte sich in dieser Phase des Turniers in bestechender Form und ließ weder im Viertel- noch im Halbfinale ernsthafte Zweifel an seiner Qualität aufkommen. Das Team von Trainer Sebastian Hoeneß kombinierte offensives Spektakel mit defensiver Stabilität — eine Mischung, die im K.-o.-Modus besonders wertvoll ist.
Bielefelds Weg ins Halbfinale war das beherrschende Narrativ dieser Phase. Als Drittligist hatte das Team bereits Geschichte geschrieben, doch der Einzug ins Halbfinale übertraf alle Erwartungen — auch die der eigenen Fans. Die Mannschaft zeigte, dass im Pokal die Tagesform und der unbändige Wille eines geschlossenen Teams wichtiger sein können als individuelle Klasse und Bundesliga-Erfahrung. Mit dem Halbfinalsieg sicherte sich Bielefeld den Einzug ins Finale — und schrieb damit ein Kapitel Pokalgeschichte, das noch lange nachhallen wird.
Das Finale: Stuttgart 4:2 Bielefeld
Am 24. Mai 2025 trafen der VfB Stuttgart und Arminia Bielefeld im Berliner Olympiastadion zum DFB-Pokalfinale aufeinander — ein Endspiel, das in seiner Konstellation schon vor dem Anpfiff außergewöhnlich war. Auf der einen Seite der ambitionierte Bundesligist mit Europapokal-Erfahrung, auf der anderen ein Drittligist, der durch seinen Pokalweg die gesamte Fußballnation begeistert hatte. Die Rollenverteilung war klar, die Sympathien geteilt — und das Stadion restlos gefüllt.
Stuttgart ging als Favorit ins Spiel und wurde dieser Rolle früh gerecht. Mit technisch hochwertigem Kombinationsspiel und effektiver Chancenverwertung erarbeitete sich das Team einen komfortablen Vorsprung. Die taktische Überlegenheit der Schwaben war in der ersten Halbzeit deutlich sichtbar, doch Bielefeld zeigte genau jene Qualitäten, die das Team ins Finale gebracht hatten: Kampfgeist, Zusammenhalt und die Weigerung, sich geschlagen zu geben.Historischer Moment: In der 82. Minute erzielte Julian Kania den Treffer zum 1:4 aus Bielefelder Sicht — und schrieb damit Geschichte als erster Spieler eines Drittligisten, der in einem DFB-Pokalfinale traf. Ein Tor, das unabhängig vom Endresultat in Erinnerung bleiben wird.
Kanias Treffer ließ das Stadion für einen Moment den Atem anhalten. Plötzlich war das Finale wieder offen, plötzlich schien das Unmögliche möglich. Doch Stuttgart antwortete mit der Erfahrung und Klasse eines Spitzenteams und sicherte den 4:2-Sieg ab. Der Schlusspfiff besiegelte Stuttgarts vierten DFB-Pokaltitel — und den ersten seit 1997.
Das TV-Interesse am Finale war enorm: 7,56 Millionen Zuschauer verfolgten die Partie im ZDF, was einem Marktanteil von 32,7 Prozent entsprach. In der jüngeren Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen sahen 2,05 Millionen zu — ein Marktanteil von 42,2 Prozent. Damit lag das Finale 2025 leicht unter dem Vorjahreswert von 7,95 Millionen (ARD, Leverkusen vs. Kaiserslautern), erreichte aber in der jungen Zielgruppe einen fast identischen Wert.
«Wir verstehen euren Unmut darüber, dass ihr zweieinhalb Stunden und in vielen Fällen auch länger in unserem Ticketshop gewartet habt — und am Ende leer ausgegangen seid.» — DFB-Pressestelle zur Ticketnachfrage vor dem Finale 2025 (sport1.de)
Bielefeld: Die Sensation der Saison
Arminia Bielefelds Weg ins DFB-Pokalfinale 2025 ist eine jener Geschichten, für die der Pokalwettbewerb erfunden zu sein scheint. Als Drittligist gehörte Bielefeld von Beginn an nicht zum Favoritenkreis — und genau das machte den Lauf so besonders. Runde für Runde übertraf das Team die Erwartungen, besiegte höherklassige Gegner und gewann dabei nicht nur Spiele, sondern auch die Herzen der neutralen Fußballfans in ganz Deutschland.
Der Schlüssel zum Erfolg lag in der Geschlossenheit der Mannschaft. Wo individuelle Klasse fehlte, kompensierte Bielefeld mit taktischer Disziplin, leidenschaftlichem Einsatz und einer Mentalität, die in den K.-o.-Spielen des Pokals oft den Unterschied macht. Der Trainer hatte es geschafft, ein Kollektiv zu formen, das über sich hinauswuchs — und das in jedem Spiel an die eigene Chance glaubte, egal wie überlegen der Gegner auf dem Papier war.
Bielefeld war nicht der erste Drittligist, der im DFB-Pokal für Furore sorgte, aber der erste, der in der jüngeren Geschichte das Finale erreichte. Die Arminia hatte bereits 2015 das Halbfinale erreicht und war damit einer von nur wenigen Drittligisten, denen ein so weiter Vorstoß im Pokal gelungen war. 2025 ging das Team noch einen Schritt weiter — und schrieb mit dem Finaleinzug ein neues Kapitel in der Vereinsgeschichte.
Julian Kanias Tor im Finale unterstrich die Dimension dieser Sensation. Als erster Spieler eines Drittligisten, der in einem DFB-Pokalfinale traf, setzte er den emotionalen Höhepunkt einer Saison, die für Bielefeld in jeder Hinsicht außergewöhnlich war. Auch wenn der Pokalsieg am Ende an Stuttgart ging — Bielefelds Reise war der eigentliche Triumph des Wettbewerbs, ein Beweis dafür, dass der Pokal tatsächlich seine eigenen Gesetze hat.
Sabrina Wittmann: Historischer Moment
Abseits der großen Ergebnisse und der Finalgeschichte lieferte die DFB-Pokal-Saison 2024/25 einen Moment von historischer Tragweite, der über den Fußball hinaus Bedeutung hat. Sabrina Wittmann, Cheftrainerin des FC Ingolstadt 04, führte ihre Mannschaft in der 1. Runde gegen den 1. FC Kaiserslautern — und wurde damit zur ersten Frau, die als Hauptverantwortliche an der Seitenlinie eines DFB-Pokal-Spiels stand.
Wittmann hatte die Position als Cheftrainerin bei Ingolstadt im Sommer 2024 übernommen, nachdem sie zuvor als Co-Trainerin und Nachwuchscoach im Verein gearbeitet hatte. Ihre Ernennung wurde national beachtet, doch die wahre Bühne bot der DFB-Pokal: Ein Pflichtspiel vor den Augen der Öffentlichkeit, unter dem Druck eines K.-o.-Wettbewerbs, in dem es keine zweite Chance gibt. Das Spiel endete mit einer knappen 1:2-Niederlage gegen Kaiserslautern — ein Ergebnis, das die sportliche Perspektive Ingolstadts nicht veränderte, den historischen Wert des Moments aber in keiner Weise schmälerte.
Für den deutschen Fußball war Wittmanns Auftritt ein Zeichen dafür, dass sich die Strukturen langsam öffnen. Im Frauenfußball sind Trainerinnen an der Spitze etabliert, doch im Männerbereich — und insbesondere im DFB-Pokal mit seiner großen Öffentlichkeit — war dies ein Novum. Die Reaktionen waren überwiegend positiv, und Wittmanns professioneller Umgang mit der medialen Aufmerksamkeit wurde von Fachleuten und Kollegen gleichermaßen gewürdigt.
Die Geschichte von Sabrina Wittmann im DFB-Pokal 2024/25 ist Teil eines größeren Wandels, der den deutschen Fußball erfasst hat. Sie steht für eine Generation von Trainerinnen, die nicht als Symbolfiguren wahrgenommen werden wollen, sondern als Fachleute — und die den Weg dorthin durch Kompetenz, Erfahrung und Beharrlichkeit ebnen. Der DFB-Pokal, als Wettbewerb der Überraschungen und der ersten Male, bot dafür die perfekte Bühne.