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Die Verlängerung im DFB-Pokal ist der Moment, in dem ein Pokalspiel seine eigene Zeitrechnung bekommt. Wenn nach 90 Minuten kein Sieger feststeht, folgen zweimal 15 Minuten Verlängerung — 120 Minuten Fußball, bevor das Elfmeterschießen als letzte Instanz greift. Die DFB-Pokal-Verlängerung folgt eigenen Regeln, die sich von der Bundesliga und den UEFA-Wettbewerben in Details unterscheiden.
Im K.-o.-Format des Pokals sind Verlängerungen keine Seltenheit. In jeder Saison werden mehrere Partien erst nach 120 Minuten entschieden — oder gehen anschließend ins Elfmeterschießen. Die zusätzliche halbe Stunde verändert das Spiel grundlegend: Taktik, Kräfteverhältnisse und Wechselkontingente werden zu entscheidenden Faktoren. Der DFB hat den Unmut der Fans bei den Ticket-Rekordanfragen 2025 eingeräumt und beschrieben, wie sehr der Pokal die Emotionen der Menschen berührt — und nirgendwo werden diese Emotionen greifbarer als in einer Verlängerung, wenn alles auf dem Spiel steht.
So läuft die Verlängerung ab
Die Verlängerung im DFB-Pokal besteht aus zwei Halbzeiten zu je 15 Minuten. Zwischen der regulären Spielzeit und der Verlängerung gibt es eine kurze Pause, in der die Mannschaften auf dem Platz bleiben — ein Gang in die Kabine ist nicht vorgesehen. Zwischen den beiden Verlängerungshalbzeiten wechseln die Teams die Seiten, ohne Pause.
Die DFB-Durchführungsbestimmungen regeln den Ablauf im Detail. Der Schiedsrichter entscheidet über die genaue Dauer der Pause zwischen regulärer Spielzeit und Verlängerung — in der Praxis sind es fünf Minuten. Während dieser Zeit dürfen die Trainer Anweisungen geben und Wechsel vorbereiten. Die Spieler bleiben auf dem Platz oder im unmittelbaren Umfeld der Ersatzbank.
Fällt in der Verlängerung ein Tor, geht das Spiel weiter bis zum Ablauf der vollen 30 Minuten. Es gibt kein Golden Goal und kein Silver Goal mehr — beide Regelungen wurden 2004 von der FIFA abgeschafft. Das bedeutet: Auch wenn eine Mannschaft in der 91. Minute führt, muss sie die restlichen 29 Minuten verteidigen. Dieses Format erzeugt eine besondere Dynamik, weil kein Treffer sofort spielentscheidend ist und die gegnerische Mannschaft immer die Chance hat, zurückzuschlagen.
Nach Ablauf der Verlängerung — also nach 120 Minuten — folgt bei Gleichstand das Elfmeterschießen. Die Verlängerung ist damit die vorletzte Eskalationsstufe im Pokal-Format: Erst werden 90 Minuten gespielt, dann 30 Minuten nachgelegt, und erst wenn auch das nicht reicht, entscheidet der Punkt.
Wechselkontingent in der Verlängerung
Das Wechselkontingent in der Verlängerung ist einer der Bereiche, in denen sich der DFB-Pokal von anderen Wettbewerben unterscheidet. Seit der Einführung der fünften Auswechslung dürfen Vereine im DFB-Pokal insgesamt fünf Spieler während der regulären Spielzeit und der Verlängerung auswechseln — wobei in der Verlängerung ein zusätzlicher, sechster Wechsel erlaubt ist.
Dieser sechste Wechsel ist eine Sonderregelung, die der DFB eingeführt hat, um der körperlichen Belastung einer 120-Minuten-Partie Rechnung zu tragen. In der Bundesliga gibt es diese Option nicht, weil dort keine Verlängerung gespielt wird. In den UEFA-Wettbewerben gilt seit der K.-o.-Phase ebenfalls die Möglichkeit eines Zusatzwechsels — die Regelungen sind also weitgehend harmonisiert.
Für Trainer hat der Zusatzwechsel eine taktische Dimension, die über die reine Frischezufuhr hinausgeht. Wer in der 90. Minute weiß, dass eine Verlängerung bevorsteht, kann gezielt einen Spieler aufsparen — etwa einen torgefährlichen Joker oder einen Elfmeterspezialisten. Die Entscheidung, wann und wen man wechselt, wird in der Verlängerung zum strategischen Kalkül: Frische Beine gegen müde Gegner können den Unterschied ausmachen, besonders in den letzten zehn Minuten der Verlängerung.
Die Anzahl der Wechselzeitfenster ist ebenfalls geregelt. In der Verlängerung gibt es ein eigenes Wechselzeitfenster, das unabhängig von den drei Fenstern der regulären Spielzeit zählt. Damit können Trainer, die ihre drei regulären Fenster bereits genutzt haben, in der Verlängerung trotzdem noch wechseln — eine Flexibilität, die taktisch wertvoll ist.
Historische Regeländerungen
Die Verlängerung im DFB-Pokal hat im Laufe der Jahrzehnte mehrere Formatwechsel durchlaufen. Die bedeutendste historische Regelung war das Golden Goal, das von 1993 bis 2004 galt. Unter dieser Regel endete das Spiel sofort, wenn eine Mannschaft in der Verlängerung ein Tor erzielte — das Tor war gleichzeitig der Abpfiff. Das Format erzeugte maximale Dramatik, führte aber auch zu taktischer Verkrampfung, weil beide Teams Angst vor dem einen entscheidenden Fehler hatten.
Das Silver Goal, das 2003 als Kompromiss eingeführt wurde, hielt nur eine Saison. Unter dieser Regelung endete das Spiel nicht sofort nach einem Tor, sondern erst nach Ablauf der jeweiligen Verlängerungshalbzeit. Die Idee war, dem zurückliegenden Team zumindest die verbleibenden Minuten der Halbzeit als Reaktionszeit zu geben. In der Praxis war die Regel zu kompliziert und wurde schnell wieder abgeschafft.
Seit 2004 gilt das aktuelle Format: Zweimal 15 Minuten, beide werden voll ausgespielt, unabhängig vom Spielstand. Diese Regelung hat sich als die fairste und transparenteste erwiesen. Sie gibt beiden Mannschaften die gleiche Zeit, sie vermeidet die taktische Angststarre des Golden Goal und sie ist für Zuschauer leicht verständlich. Der DFB-Pokal hat dieses Format von der FIFA übernommen und bisher keinen Anlass gesehen, es zu ändern.
Verlängerungen der Saison 2025/26
In der laufenden Pokalsaison 2025/26 wurden in den ersten vier Runden mehrere Spiele erst in der Verlängerung entschieden. Die meisten davon fielen in die 1. und 2. Runde, wo die Qualitätsunterschiede zwischen den Mannschaften oft geringer sind als erwartet und Amateurvereine ihre Bundesliga-Gegner über 90 Minuten in Schach halten können.
Die Verlängerungen der Saison hatten unterschiedliche Gesichter. Manche wurden durch späte Treffer in der 115. oder 118. Minute entschieden — Momente, in denen die körperliche und mentale Erschöpfung am größten ist und ein einziger Lauf über das Schicksal entscheidet. Andere Verlängerungen endeten torlos und führten ins Elfmeterschießen — das ultimative Drama des Pokals.
Im Viertelfinale und Halbfinale der Saison 2025/26 wurden keine Verlängerungen benötigt — sämtliche Partien fielen innerhalb der regulären Spielzeit. Das ist ein statistischer Ausreißer, der die Qualität und Entschlossenheit der verbliebenen Mannschaften unterstreicht: In den späteren Runden agieren die Teams konzentrierter, die Taktik ist präziser und die Fähigkeit, Spiele vor der 90. Minute zu entscheiden, steigt mit dem Niveau der Beteiligten.
Die Häufigkeit von Verlängerungen variiert von Saison zu Saison, folgt aber einem erkennbaren Muster: In den frühen Runden, wo die Qualitätsunterschiede kleiner sind als die Tabellenlogik vermuten lässt, kommt es häufiger zu Gleichständen nach 90 Minuten. In den späteren Runden nimmt die Zahl der Verlängerungen ab — nicht, weil die Spiele weniger eng wären, sondern weil die beteiligten Mannschaften besser in der Lage sind, Partien in der regulären Spielzeit zu entscheiden. Die Verlängerung bleibt dennoch ein fester Bestandteil des Pokals — und ihr Fehlen in einer bestimmten Runde ist eher die Ausnahme als die Regel.